Montag, 15. August 2016

Einsatz von Cyberwaffen 2007-2009


Estland 2007
Das Jahr 2007 ist ein besonderer Meilenstein in der Geschichte der Cyberkriegsführung. Auf die Umsetzung eines sowjetischen Kriegerdenkmals, welches an den Sieg und die Opferbereitschaft der Roten Armee bei der Befreiung Estlands im Jahr 1945 erinnern sollte, reagierte die in Estland lebende russische Minderheit mit Wut und Unverständnis. Das Denkmal wurde aus dem Zentrum Tallins an einen weniger bedeutsamen Ort bewegt. in Russland glich die öffentliche Empörung derer ihrer estnischen Volksgenossen. Bereits einen Tag nach der Umsetzung am 26 April, begann eine Cyberattacke auf das estnische Bankensystem, die Regierung, Internetinfrastruktur und andere digitale Netzwerke öffentlichen Interesses.

In Estland ist ein Großteil der öffentlichen Verwaltung und des Bankwesens auf die Onlinenutzung ausgelegt, weshalb die nun einsetzende Welle von DoS-Angriffen einen tiefen Eingriff in das öffentliche Leben in Estland bedeutete.
Die russische Minderheit machte ihrem Zorn auf der Straße Luft, indem wütende Meuten durch Tallin zogen und ganze Straßenzüge verwüsteten.
Gleichzeitig versuchte man über Propaganda die öffentliche Meinung in Estland und dem gesamten Westen zu spalten. Hier wird eine neue Qualität deutlich: Der Cyberspace ist nicht isoliert zu betrachten, sonder als Teil der hybriden Kriegsführung, begleitet von anderen Formen der Kriegsführung niederer Intensität. Dies wurde der NATO an dieser Stelle besonders deutlich. Noch heute ist daher dieser Fall von höchstem Interesse, da Artikel 5, der Bündnisfall, möglicherweise auch durch ein digitales Ereignis zur Abstimmung gebracht werden könnte.
Neu war auch die räumliche Nähe der Ereignisse. Dieser Cyberangriff, der nie dem russsichen Staat selbst nachzuweisen war, führte zur beschleunigten Grundsteinlegung des Centers of Excellenz und führte in Folge dieser Attacke zum Aufstieg Estlands zu einer der wichtigsten Kompetenzen innerhalb der NATO und weltweit im Bereich der Cyberkriegsführung. Ergänzend bleibt nur zu erwähnen, dass bei einer Vorbereitungszeit von weniger als 24 Stunden bereits im Vorfeld die Kritische Infrastrukturs


Georgien 2008
Im August 2008 kam es zwischen der Russischen Föderation und Georgien zum Konflikt um die Provinz Süd-Ossetien. Russische Truppen griffen daraufhin Georgien an und bereiteten die Operationen mit einem Cyberangriff auf die georgische Luftverteidigung und die Kritische Infrastruktur vor. Diese Vorgehensweise wird von der NATO und dem Autor als die wahrscheinlichste zukünftige Erscheinungsform angenommen. Ähnlich einem reinen Luftkrieg, ließe sich ein Konflikt nicht alleine im Cyberraum entscheiden. Der Cyberraum ist nur eine von vier Dimensionen, die für einen umfassenden Konflikt greifbar sind. Die Vorbereitung militärischer Operationen und deren Begleitung sehen wir in etwa vergleichbar mit der elektronischen Kriegsführung, ohne die keine moderne Luftwaffe an einer kinetischen Kampfhandlung teilnehmen wird. Hier zeigt sich auch ein Unterschied zwischen hybrider Kriegsführung und der direkten Begleitung und Vorbereitung einer militärischen Operation: Die Intensität und Fokussierung auf militärische Ziele.